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Marktkommentare

MARKT KOMMENTARE

Marktkommentar August 2017

Der vergangene Monat brachte den wichtigsten europäischen Aktienindizes per Saldo nur geringfügige Veränderungen. Allerdings kam es zu größeren Schwankungen, die vor allem durch die Veränderungen an den Devisenmärkten vorgegeben wurden. Erstmals seit Anfang 2015 mussten für einen Euro wieder mehr als 1,20 US-Dollar bezahlt werden. Dies brachte die Aktienkurse wegen der entsprechend schwindenden preislichen Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Exportunternehmen unter Druck. Für Entspannung sorgten dann Signale aus der EZB, der die Aufwertung der Gemeinschaftswährung zunehmend Kopfzerbrechen bereitet, und die daher die Entscheidung, ihre Anleihekäufe zu drosseln, hinauszögern könnte. In der gegenwärtigen Phase, die von zahlreichen geopolitischen Unsicherheiten geprägt ist, suchen die Aktienbörsen nach Orientierung. Von den am Freitag veröffentlichten, enttäuschend ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten ging diese jedoch nicht aus, nachdem bereits zuvor das Notenbanker-Treffen in Jackson Hole nicht die erhofften Fingerzeige für die künftige Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantiks gegeben hatte.

So bleibt derzeit nach Abschluss der Berichtssaison und somit dünnerem Nachrichtenfluss aus den Unternehmen nur das Abwarten auf neue Wirtschaftsdaten, aus denen sich Hinweise auf geldpolitische Weichenstellungen ableiten lassen. Für Störfeuer sorgen dabei immer wieder die militärischen Provokationen aus Nordkorea, auf die prompte Reaktionen Südkoreas und der USA folgen. Mittlerweile ist ein gefährliches Eskalations-Niveau erreicht worden, das auch die Finanzmärkte nicht unbeeindruckt lässt. Hinzu kommen die technisch angeschlagene Situation von DAX, EuroStoxx und Co. Sicherlich gibt es momentan erhöhte Risiken. Das mit Abstand wahrscheinlichste Szenario bleibt aber wohl eine perspektivische Entspannung in der Korea-Krise, was dann sicherlich wieder positiv für die Aktienmärkte wäre. Andere für die Börsen relevante Themen rücken zunächst etwas aus dem Fokus der Markteilnehmer. Sehr positiv präsentierten sich dagegen die Angaben zum ISM PMI Manufacturing, dem nationalen Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie. In der Summe sollten sich die internationalen Aktienmärkte sicherlich keine zu großen Sorgen um die Wirtschaft der USA machen. Die US-Aktienindizes reflektieren jedoch unserer Auffassung nach schon einen recht ausgeprägten (aber auch nicht unrealistischen) Konjunkturoptimismus.

Der 13%ige Wertgewinn des Euro gegenüber dem Dollar in diesem Jahr bringt den Währungshütern eine ganz neue und so nicht erwartete Herausforderung. Trotz des soliden Wachstums und der positiven Zahlen in Europa hat die Inflation, gemessen an der Zielmarke, noch lange kein ausreichendes Niveau erreicht. Die stark verbesserte Beschäftigungssituation hat noch nicht zu entsprechenden Lohnsteigerungen geführt, die sich in Preissteigerungen übersetzen ließen. Der EZB-Präsident wird angesichts dieses Dilemmas sehr vorsichtig formulieren müssen, um auf der einen Seite einen Ausgleich zwischen der Würdigung einer angemessenen Wertsteigerung der Gemeinschaftswährung wegen der geringeren politischen Gefahren und der robusteren Ökonomien in Europa und auf der anderen Seite der negativen Auswirkungen einer zu starken Währungsbewegung gegenüber anderen Währungen - insbesondere gegenüber dem US Dollar - zu finden. Auch wenn die Aufwertung des Euro lediglich dazu führen sollte, dass die Zentralbank die Ankündigung des erwarteten vorsichtigen Einstiegs in den Ausstieg aus der quantitativen Lockerung erst im Oktober ankündigen wird, so wird sie die Erholung der Eurozone und damit einen – wenn auch zu langsamen – Anstieg der Inflationsraten wahrscheinlich nicht nachhaltig gefährden. Die Renditen der 10-jährigen Bundesanleihen lagen Ende August bei 0,38 %.

Marktkommentar Juli 2017

Die europäischen Aktienmärkte schlossen im abgelaufenen Monat mit einer uneinheitlichen Tendenz ab. Während der DAX weiter leicht nachgab und auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Monaten abrutschte, trat der EuroStoxx50 richtungslos auf der Stelle. Der Grund für die unterschiedliche Entwicklung dürfte im Dieselskandal und dem Kartellverdacht zu suchen sein, unter denen die deutschen Automobilhersteller stark leiden. Aber auch einige enttäuschende Quartalsberichte belasteten den DAX, da sie teilweise von Indexschwergewichten veröffentlicht wurden. Die neuerliche Verbesserung des ifo-Geschäftsklimaindex auf den höchsten Stand im wiedervereinigten Deutschland konnte der Börse nur vorübergehend Auftrieb verschaffen. Vielmehr sorgte der eine dynamisch wachsende Wirtschaft signalisierende Konjunkturindikator dafür, dass sich der Euro weiter festigte. Die Zwischenberichte der Unternehmen für das erste Halbjahr 2017 weisen keine wesentlichen Währungseffekte auf die Zahlenwerke aus. Dies dürfte sich aber zum Negativen ändern, wenn der Euro gegenüber dem US-Dollar und anderen Währungen auf seinem aktuellen Stand verharrt oder sogar weiter aufwertet. Vor diesem Hintergrund ist auch die Entscheidung der US-Notenbank, bis zum Herbst keine geldpolitischen Maßnahmen zu ergreifen, ein Belastungsfaktor für die europäischen Aktienmärkte, denn sie stärkte den Euro gegenüber der US-Währung weiter. Mittlerweile notiert der Euro zum US-Dollar auf dem höchsten Stand seit Januar 2015. Der Entwicklung auf den Devisenmärkten gilt somit die besondere Aufmerksamkeit der Anleger. Daneben gibt es in den kommenden Tagen und Wochen erneut eine Fülle von Unternehmensnachrichten, die in der Lage sind, zumindest die Kurse der berichtenden Unternehmen deutlich in die eine oder andere Richtung zu bewegen. Unter Bewertungsaspekten sehen wir hier für den Gesamtmarkt aber keinen Grund zur Besorgnis. Insgesamt ist derzeit jedoch noch keine Bodenbildung bei den führenden Aktienindizes zu erkennen, so dass nach dem Durchbrechen wichtiger charttechnischer Unterstützungsmarken zunächst noch weiteres Abwärtspotential besteht.

In den USA bleibt die psychologisch wichtige Marke von 22.000 Punkten beim Dow Jones Industrial Average im Blickfeld. Auf der anderen Seite des Atlantiks sind die Investoren also offenbar in der Stimmung für eine weitere Rekordjagd. Die FOMC-Sitzung Ende Juli konnte die US-Währung nicht stärken, die Fed Funds Target Rate wurde nicht angepasst. Die Notenbank will nun relativ bald ihre Bilanz langsam verkürzen. Dies mag schon zu einer gewissen Belastung für die US-Börsen werden. Interessant ist unserer Auffassung nach, dass der Aktienmarkt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bisher nicht nachhaltig unter den ausgeprägten politischen Turbulenzen auf dem Capitol Hill gelitten hat. In diesem Kontext muss wohl auch darauf verwiesen werden, dass es im II. Quartal erwartungsgemäß zu einer signifikanten Beschleunigung des realen Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten gekommen ist. Zudem scheint sich ein Konsens bei den Maßnahmen zur Förderung der Repatriierung von im Ausland geparkten Unternehmensgewinnen abzuzeichnen. Dies ist von ganz zentraler Bedeutung für die Aktienmärkte; aus diesen Mitteln gespeiste zusätzliche Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe werden von den Börsen schließlich bereits eingepreist.

Die Suche nach Papieren, die noch eine halbwegs auskömmliche Rendite bieten, hat naturgemäß bei vielen (besonders auch institutionellen) Investoren schon lange zu einer Abkehr von als sicherer Hafen bezeichneten Papieren wie Staatsanleihen aus Kerneuropa, gerade aus Deutschland, geführt. Die Nachfrage nach Corporate Bonds war dagegen nicht nur durch das Ankaufprogramm der EZB stark gestiegen, im Rahmen dessen - im Gegensatz zu Papieren von Mitgliedsnationen, deren Emissionen nicht am Primärmarkt angekauft werden dürfen - auch auf dem Sekundärmarkt zugegriffen werden darf. Die Risikoprämie europäischer Hochzinsanleihen ist derweil so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Bei neuen Anleihen mussten aber manche Emittenten zuletzt bereits ungewohnte Zugeständnisse machen, und die Vermögensverwalter dürften langsam wieder kritischer werden, wenn sie das Gefühl haben, sich diesen Luxus aufgrund einer verbesserten Auswahl wieder „leisten“ zu können. Nicht nur bei einer Auktion französischer Bonds war vor wenigen Wochen festzustellen, dass die Nachfrage nicht auf dem Niveau war, wie es sich der Anbieter vorgestellt hatte - im Vorgriff des langsamen aber erwarteten Zurückfahrens der zinspolitischen Lockerung. In Zukunft wird es für manche Emittenten wieder teurer. Seit 2008 haben die Finanzminister der Eurozone in ihren Staatshaushalten nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank insgesamt rund EUR 1 Billion an Zinskosten durch die gesunkenen Kapitalmarktzinsen einsparen und so ihre Verschuldungssituation erheblich entlasten können. Italien, mit fast EUR 2,3 Billionen nach den USA und Japan das Land mit der dritthöchsten Verschuldung auf der Welt, hat mit einer Ersparnis von über 10% des BIP davon am meisten profitiert. Vergangene Woche kam Griechenland aus dem Kapitalmarktexil zurück und begab das erste Mal seit 2014 wieder eine Staatsanleihe. Die Emission über EUR 3 Mrd. hat eine Laufzeit bis 08/2022. Das Orderbuch lag bei EUR 6,5 Mrd., und so war die Transaktion durchaus erfolgreich. Mit ersten konkreten Hinweisen, wann denn die EZB nun aus ihren Wertpapierankaufprogrammen auszusteigen gedenkt, rechnen wir frühestens zum kommenden September-Meeting, wobei eine umfassende Konkretisierung möglicherweise sogar erst im Oktober erfolgen könnte.

Marktkommentar Juni 2017

Obwohl der deutsche Aktienmarkt Anfang Juni noch einen positiven Start hinlegen konnte, ging es danach Tag für Tag weiter abwärts. Zum zuerst waren die Investoren für den deutschen Blue-Chip-Index DAX noch optimistisch gestimmt, da in Italien eine drohende Bankenkrise abgewendet werden konnte. Nach zuvor diversen, gescheiterten Versuchen und flexibler Auslegung der europäischen Abwicklungsregularien für Finanzinstitute verhinderte die italienische Regierung die vollständige Abwicklung zweier Regionalbanken aus Venetien, die dank staatlicher Gelder und Garantien von dem führenden Geldhaus Italiens Intesa Sanpaolo übernommen wurden. Darüber hinaus stellte der Geschäftsklima-Index des Münchener Forschungsinstituts ifo im Juni mit einem überraschenden Anstieg um 0,5 auf 115,1 Punkte den Rekordwert des Vormonats ein. Sowohl die derzeitige Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate wurden von den Führungskräften günstiger als zuvor eingeschätzt.

Die Stimmung an den Aktienmärkten begann sich jedoch ab der zweiten Junihälfte einzutrüben, nachdem auf einem Treffen der wichtigsten internationalen Notenbanker deutliche Signale ausgesandt wurden, dass sich die Zeit der ultralockeren Geldpolitik und der Niedrigstzinsen nicht nur in den USA sondern auch in Europa allmählich dem Ende nähern würde. In der Folge reagierten die Anleihenmärkte vor allem in Europa, aber auch in den USA, mit deutlich steigenden Bondrenditen. Auch der Euro legte gegenüber dem US-Dollar weiter zu. Vor diesem Hintergrund trat der DAX in der Breite den Rückzug an, nur die Bankenwerte verbuchten angesichts der Hoffnung auf ein verbessertes Zinsgeschäft per Saldo eine positive Performance. So verzeichnete der DAX einen Monatsverlust von 2,68%.

Die globalen Aktienmärkte sind im vergangenen Monat unter deutlicheren Druck geraten. Der S&P 500 konnte sich immerhin oberhalb von 2.400 Zählern halten. Auch die US-Geldpolitik muss vom Aktienmarkt im Auge behalten werden; eine langsame Straffung dürfte sehr weitgehend eingepreist sein. In diesem Umfeld werden die Börsen mit ganz besonderem Interesse auf das FOMC-Sitzungsprotokoll blicken müssen. Die Verringerung der Wertpapierbestände der Fed ist beim Blick auf die weitere US-Geldpolitik sicherlich die große Unbekannte für die internationalen Aktienmärkte. Es handelt sich schon um einen potentiell bedrohlichen Einflussfaktor auf die Kurse der Dividendenpapiere.

An den asiatischen Aktienmärkten zeichnet sich ein durchaus positives Bild. In Japan spiegelte der neueste Tankan-Bericht der japanischen Notenbank eine optimistische Stimmung unter japanischen Managern wider. Der vom Wirtschaftsmagazin ermittelte Einkaufsmanagerindex signalisierte in China ebenso positive Erwartungen an die chinesische Konjunktur.

Die Renditen der deutschen Bundesanleihen stehen in diesen Tagen ganz besonders im Fokus. Die gesamte Zinskurve hat in der letzten Woche eine Verschiebung nach oben erfahren. Der Rendite-Anstieg scheint vorerst noch nicht zwingend beendet, wird sich aber sicher kurzfristig nicht weiter beschleunigen. Seit etwa Mitte November letzten Jahres haben sich 10-jährige Bunds in einer Handelsspanne zwischen etwa 0,2% und 0,5% Rendite bewegt, konnten diese Range aber noch nicht nach oben durchbrechen. Zum Monatsultimo lag diese bei 0,47%. Äußerungen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank Mario Draghi, der die Marktteilnehmer mit für seine Verhältnisse überraschend restriktiven geldpolitischen Tönen überrascht, hatte führte zu diesem Anstieg.

Marktkommentar Mai 2017

Die europäischen Aktienmärkte fanden im abgelaufenen Monat keine eindeutige Richtung. Zwar blieben neuerliche Störfeuer des US-Präsidenten Trump aus – die kamen erst in Form offener Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und den anderen G7-Staaten beim G7-Gipfel auf Taormina – aber es fehlten auch Impulse, die die Kurse nachhaltig bewegen konnten. Positive Wirtschaftsnachrichten wie der Anstieg des ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland im Mai auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung wurden durch die Aufwertung des Euro neutralisiert. Die Gemeinschaftswährung notierte in US-Dollar so hoch wie seit gut einem halben Jahr nicht mehr, und dies schmälert die Chancen für Exporte aus dem Euro- Raum. Wenig neues gab es auch von Seiten der EZB. Wichtige Mitglieder der EZB-Führung dämpften Erwartungen, dass es schon kurzfristig zur Ankündigung eines geldpolitischen Kurswechsels kommen könnte. Nach guten Konjunkturdaten waren entsprechende Signale für die nächste EZB-Sitzung am 8. Juni erwartet worden. Mit einem Versiegen der Liquiditätsflut, die die Notenbank durch Anleiheankäufe im Volumen von monatlich 60 Milliarden Euro in die Märkte pumpt, und die maßgeblich den laufenden Börsenaufschwung beflügelt haben, ist also vorerst nicht zu rechnen. Der Anstieg der Aktienkurse könnte sich somit fortsetzen, wären da nicht die zahlreichen (geo-)politischen Risiken, wie beispielsweise die Parlamentswahl in Großbritannien am 8. Juni, die Wahlen zum französischen Parlament am 11. und 18. Juni, die ständigen Provokationen Nordkoreas durch Raketentests oder die Unberechenbarkeit von US-Präsident Trump. Die aktuell niedrige Volatilität an den Aktienbörsen spiegelt diese Risiken nicht angemessen wider. Hohe Dividendenrenditen und Bewertungen, die trotzdem nicht überzogen erscheinen, sorgen in Verbindung mit niedrigen Zinsen für eine solide Börsenverfassung. Die Eskalation an einem möglichen Krisenherd kann jedoch schnell Marktkorrekturen größeren Ausmaßes auslösen.

In den USA konnte sich der Dow Jones Industrial Average in der vergangenen Woche wieder oberhalb von 21.000 Zählern stabilisieren. Sorgen bezüglich der wohl relativ kurzfristig anstehenden Leitzinsanhebung der Fed sind in den Hintergrund getreten. Die Marktteilnehmer bewerten die derzeitigen Pläne der US-Notenbanker nicht als Signal für eine die Kurse belastende Verringerung der Liquiditätsversorgung durch das FOMC, sondern als Hinweis auf einen von der Fed erwarteten anhaltenden Aufschwung der Wirtschaft der USA, der positiv für den Aktienmarkt wäre. Die jüngste Aufwärtsrevision der für das I. Quartal gemeldeten vorläufigen Zahlen zum US-BIP passen gut zu diesem Szenario. Im Laufe der Woche sollte von den Marktteilnehmern in diesem Zusammenhang auf die Angaben zum ISM Einkaufsmanagerindex für die Industrie und auf den US-Arbeitsmarktbericht zu blicken sein. Interessant dürfte auch sein, wie die Ökonomen der regionalen US-Notenbanken die Lage an der Inflationsfront einschätzen. Dabei ist festzuhalten, dass die jüngst gemeldeten Preisdaten eher nicht in die Richtung der Notwendigkeit eines zügigeren Handels der Notenbank gedeutet hatten. Das Hauptaugenmerk der Fed-Offiziellen liegt aber wohl auch weiterhin auf der Beschäftigungssituation in den USA. Auch an den asiatischen Aktienmärkten gehen nach den jüngsten Kommentaren hochrangiger Fed-Offizieller immer mehr Marktteilnehmer von einer Straffung der Geldpolitik in den USA aus. Als potenzielle Störfaktoren gelten weiterhin neuerliche Drohgebärden aus Nordkorea (Raketentests) sowie eine nachlassende konjunkturelle Dynamik im Reich der Mitte – tatsächlich rechnen wir bei den in der neu gestarteten Woche anstehenden Veröffentlichungen zu den Einkaufsmanagerumfragen mit weiteren – dezenten – Rückgängen; gleichwohl dürfte weiterhin Wachstum im chinesischen Industriesektor angezeigt werden. In Japan bleibt der Nikkei weiterhin unter der psychologisch wichtigen Marke von 20.000 Punkten.

Im Nachgang des langen Wochenendes rund um Christi Himmelfahrt beschäftigt vor allem das großspurige Auftreten des US-Präsidenten Donald Trump im Rahmen des G7-Gipfels die Markteilnehmer. Das Gremium, dem Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten angehören, tagte am Wochenende in Taormina, Italien. „Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen (…) die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen können, sind ein Stück vorbei.“ Diese Worte sprach die Bundeskanzlerin gestern und meinte damit relativ unverhohlen in erster Linie den US-Präsidenten Trump und somit die transatlantischen Beziehungen. Diese Aussage lässt sich als deutlicher Fingerzeig Merkels in Richtung der USA, die in verschiedenen Fragen anscheinend eine Blockadehaltung einnahmen, interpretieren. Interessant ist, wie sich Merkel – auch im Hinblick auf die Ideen des neuen französischen Präsidenten (europäischer Finanzminister, gemeinsamer EUHaushalt) – eine mögliche Stärkung von Europa konkret vorstellt und wie eine vertiefte Zusammenarbeit vor allem in Bezug auf die Finanzmärkte genau aussehen soll. Wenngleich von deutscher Seite bislang kategorisch ausgeschlossen, scheint der Weg zu – wie auch immer gestalteten – EUR Bonds nicht mehr so weit zu sein, wie vor der Amtszeit Trumps. Als EUR Bond wird eine bislang nicht realisierte Art von Staatsanleihe bezeichnet, welche durch die EU-Staaten gemeinsam aufgelegt wird. Die Verteilung der aufgenommenen Mittel erfolgt, genau wie die Haftung für die Rückzahlung und Zinsen dieser Schulden, gesamtschuldnerisch. Zum Berichtsmonatsende rentierten 10-jährige Bundesanleihen mit 0,33% p.a.

 

Marktkommentar April 2017

Im Vorfeld der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen blieben die Anleger an den Aktienbörsen zurückhaltend, so dass der DAX bei geringen Umsätzen Mühe hatte, sich oberhalb der Marke von 12.000 Punkten zu behaupten. Auch die Drohgebärden Nordkoreas und die Veröffentlichung einiger schwächer als erwartet ausgefallener US-Wirtschaftsdaten mahnte die Investoren zur Vorsicht. Der den Umfrageergebnissen entsprechende Wahlausgang in Frankreich, der dazu führt, dass in der Stichwahl am 7. Mai der europa- und wirtschaftsfreundliche Kandidat Macron gegen die europafeindliche Marine Le Pen antritt sollte zum Wochenauftakt für eine Erleichterungsrallye sorgen, da nun Macron große Chancen eingeräumt werden, der nächste französische Präsident zu werden. Sicher ist dies aber noch nicht, und mit den überraschend für den 8. Juni angesetzten vorgezogenen Parlaments-Neuwahlen in Großbritannien, den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein (7. Mai) und Nordrhein-Westfalen (14. Mai) sowie den Bundestagswahlen am 24. September gibt es weitere politische Unsicherheiten. Die Unberechenbarkeit des US-Präsidenten Trump gilt als weiterer erheblicher Unsicherheitsfaktor. Zwar hat Trump kurzfristig Details zu einer umfangreichen Steuerreform angekündigt, diese ist aber mit riesigen Erwartungen befrachtet und wird erst mittelfristig positive Auswirkungen auf die Wirtschaft entfalten können. Nach dem gescheiterten Versuch, das US-Gesundheitssystem zu reformieren, lauert hier weiteres Enttäuschungspotential. In den kommenden Wochen werden sich die Börsianer auch wieder verstärkt den Zwischenberichten der Unternehmen widmen. Nachdem die Berichtssaison für das erste Quartal in den USA bereits auf Hochtouren läuft, kommt sie hierzulande nun ebenfalls ins Rollen. Bei den aktuellen Bewertungen, die nicht mehr als günstig zu bezeichnen sind, können Enttäuschungen rasch zu deutlichen Kurskorrekturen zumindest bei den betroffenen Gesellschaften führen. Andererseits sind angesichts der weltweit wieder anziehenden Konjunktur auch positive Überraschungen möglich. Insgesamt rechnen wir zunächst mit einem erneuten Test des Allzeithochs im DAX bei knapp 12.400 Punkten, wobei aber die zuletzt schon deutlich erhöhte Volatilität weiter zunehmen dürfte.

Das KGV des S&P 500 liegt auf Basis der Konsensgewinnschätzung für das Jahr 2017 weiterhin bei über 18. Fundamental ist der US-Blue-Chip-Index damit sicherlich nicht preiswert. Eine positive Wirtschaftsentwicklung in den USA dürfte von den Märkten momentan generell erwartet werden. Schwächere Zahlen zum Wachstum im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die am Freitag drohen, müssten mit Blick auf das I. Quartal zwar weitgehend eingepreist sein, sollten das Sentiment im Equity-Segment aber natürlich auch nicht verbessern. Zudem schweben Leitzinsanhebungen und Maßnahmen zur Bilanzverkürzung der Notenbank Fed regelrecht wie ein Damoklesschwert über den nordamerikanischen Dividendenpapieren. Die Notenbank in Washington hat bei der Aufwärtsbewegung der US-Börsen sicherlich eine Rolle gespielt – und muss nun langsam ihre Geldpolitik normalisieren. Ab einer Rendite von 3% werden 10J US-Staatsanleihen unserer Auffassung nach so attraktiv für Anleger, dass es zu Belastungen des Aktienmarktes kommen müsste. Dies ist eine Werbemitteilung im Sinne vom §31 Abs. 2 WpHG

Nachdem die vergangene Woche an den Rentenmärkten noch von abwartender Haltung geprägt gewesen war, das Ergebnis des ersten Wahlgangs der französischen Präsidentschaftswahl gewürdigt werden. Mancher Markteilnehmer war im politischen Jahr 2016 gleich zweimal auf dem falschen Fuß erwischt worden, und so wollten sich wohl die wenigsten Investoren darauf verlassen, dass die Wahlen in Frankreich nach dem Brexit-Votum und der US-Wahl nicht auch noch eine dritte Überraschung bereithalten könnten. Die

Investoren hatten sich entsprechend auf die am wenigsten voraussehbare Präsidentschaftswahl der Republik seit Jahrzehnten vorbereitet, auch wenn ein "adverser" Ausgang den Umfrageergebnissen gemäß unwahrscheinlich erschien - man wappnet sich bei solch politischen Märkten nun auch für die geringeren Wahrscheinlichkeiten. Diesmal aber lagen die Prognosen weitgehend richtig. Während aber nun einerseits der Einzug der Kontrahenten Macron und Le Pen in die zweite Runde der französischen Präsidentschaftswahl weniger überraschend erscheint, dürfte das gute Ergebnis der Frontfrau des rechtsextremen Front National bei Investoren aber dennoch weniger gut ankommen. Mit einer Vorhersage von tendentiell etwa drei Fünfteln der Stimmen für Macron und zwei Fünfteln für Le Pen im zweiten und entscheidenden Wahlgang am 07. Mai scheint aber zumindest die Frexit-Gefahr gebannt, da die Mehrheit der Franzosen für einen Verbleib in der EU und ein Festhalten am Euro zu votieren scheint. Nicht nur der Euro am Devisen- und der Aktienmarkt goutierten heute Morgen das Ergebnis - auch die Rentenmärkte reagierten mit Kurssteigerungen. Die Marktteilnehmer glauben nun daran, dass Macron von den französischen Wählern in der Stichwahl zum neuen Präsidenten bestimmt werden und eher zu einer Stabilisierung der EU beitragen wird. Das Resultat war fast eine klassische Risk-On Rally. Französische OATs stiegen und ihre Rendite fiel in der Folge mit 0,825% auf den niedrigsten Stand seit dem 18. Januar diesen Jahres. 10-jährige Bund-Anleihen rentierten zuletzt mit 0,3% p.a.

Marktkommentar März 2017

Deutliche Kursgewinne sorgten in der abgelaufenen Woche dafür, dass der DAX mit 12.313 Punkten ein neues Zweijahreshoch erreichte und schon einmal Tuchfühlung zum Allzeithoch von 12.390 aus dem April 2015 aufnahm. Noch nicht ganz so weit ist der EuroStoxx50, der aber immerhin mit 3.500 Zählern auch den höchsten Stand seit Dezember 2015 erklomm. Rückenwind erhielten die Aktienmärkte durch einige gute Wirtschaftsdaten. Hinzu kam ein über die Erwartungen hinausgehender Rückgang der Inflationsrate in Deutschland und in der Euro-Zone im März. Dadurch hat sich der Druck auf die EZB verringert, bald den Ausstieg aus ihrer extrem lockeren Geldpolitik einzuleiten. Und schließlich scheinen die Anleger gewillt, nach der Pleite von US-Präsident Trump bei der Umsetzung einer Gesundheitsreform nun darauf zu setzen, dass er bei seinen Plänen für massive Steuerentlastungen erfolgreicher ist. Hier lauern aber erhebliche Risiken, da es auch bei diesem Vorhaben schwierig sein dürfte, eine ausreichende parlamentarische Mehrheit zu mobilisieren, zumal die in Aussicht gestellten Steuersenkungen teilweise durch Einsparungen aus der gescheiterten Gesundheitsreform gegenfinanziert werden sollten. Darüber hinaus bestehen mit den anstehenden Wahlen in Frankreich zur Präsidentschaft (1. Wahlgang am 23. April, 2. Wahlgang am 7. Mai) sowie zu den Landtagen in Schleswig-Holstein (7. Mai) und in Nordrhein-Westfalen (14. Mai) und den nun zu führenden Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien weitere nicht unbeträchtliche politische Unwägbarkeiten. Ein Gegengewicht stellen die attraktiven Dividendenrenditen vieler Aktiengesellschaften dar. Die bevorstehende Hauptversammlungssaison, in der die sich auf eine Rekordsumme belaufenden Ausschüttungen gezahlt werden und somit ein entsprechender Wiederanlagebedarf besteht, bietet somit die Gelegenheit für einen Test des in greifbare Nähe gerückten DAX-Rekordhochs. Nicht zuletzt mit Blick auf die nicht mehr günstigen Bewertungen hat aber die Wahrscheinlichkeit für Korrekturen nochmals zugenommen.

Die durch den Anstieg um zwei Punkte angezeigte Stimmungsaufhellung beim japanischen Tankan-Großproduzentenpreisindex darf durchaus als freundliches Signal für die asiatischen Aktienmärkte aufgefasst werden. Unsicherheitsfaktor für die Region bleibt aber nach wie vor die konkrete Ausrichtung der neuen US-Regierung. Donald Trump ist auch für die Dividendenpapiere in Asien ein schwierig zu prognostizierender Einflussfaktor. Immerhin bieten die insgesamt robusten Konjunkturdaten für das Reich der Mitte sowie die jüngste Erholung beim Rohölpreis eine gewisse Absicherung nach unten.

Die Rendite der 10-jährigen Bund-Anleihen ist leicht auf 0,33 % gestiegen. Die Risikoprämie zwischen deutschen und den südeuropäischen Staatsanleihen hat sich seit Juni 2016 erhöht, und so erscheinen die Bundespapiere wieder als Anker in stürmischen Gewässern. Ist dieses Risikosentiment aber nun übertrieben? Da nun seit diesem Monat die Ankäufe der EZB im Rahmen des Quantitative Easing von monatlich EUR 80 Mrd. auf nunmehr EUR 60 Mrd. heruntergefahren werden, deuten die ersten Reaktionen im Handel noch nicht darauf hin, dass der Markt dies bereits nachvollzieht. Nachdem nun die Frühindikatoren für die erste Jahreshälfte 2017 auf ein solides Wirtschaftswachstum in Euroland hindeuteten kommen erste Stimmen auf, die die Auffassung vertreten, dass die politischen Risiken möglicherweise überbewertet und nach den Wahlen in der Republik Frankreich eine Art Gedankenumschwung stattfinden könnte - nachdem die Unsicherheit hinsichtlich des Brexit bereits teilweise aus dem Markt verschwunden zu sein scheint.

Marktkommentar Februar 2017

Beflügelt durch die anhaltende Rekordjagd der US-Börsen, überraschend positive Zahlen zum ifo-Geschäftsklima in Deutschland für Februar und einen schwächeren Euro gelang es dem DAX im vergangenen Monat, erstmals seit April 2015 wieder die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten zu übertreffen. Auch der EuroStoxx50 erreichte zwischenzeitlich den höchsten Stand seit Dezember 2015.

Mittlerweile läuft die Unternehmensberichterstattung über das Geschäftsjahr 2016 auf vollen Touren. Die gemeldeten Daten sind bisher insgesamt recht überzeugend ausgefallen und sollten eigentlich in Verbindung mit einem zuversichtlichen Tenor bei den Ausblicken die Aktienkurse stützen. Dennoch haben die Anleger in zahlreichen Fällen die Veröffentlichung der Geschäftszahlen zum Anlass genommen, Gewinne zum Ende des Monats zu realisieren. Grund zur Sorge für den Gesamtmarkt ist hier aber nicht angebracht. Dies trifft vielmehr auf die bevorstehenden politischen Ereignisse und Entwicklungen zu, die ein hohes Maß an Rückschlagsrisiken für die Börsen bergen. Das Näherrücken der Wahltermine in den Niederlanden (15. März) und in Frankreich (1. Wahlgang: 23. April, 2. Wahlgang: 7. Mai) lässt den Fokus wieder mehr auf die politischen Ereignisse in Europa richten. Und inzwischen hat auch in Deutschland der Wahlkampf unübersehbar begonnen. In dieser Situation ist die Berichtssaison der Unternehmen etwas in den Hintergrund gedrängt worden.

Die Marktteilnehmer haben unserer Auffassung nach derzeit eine sehr positive Sichtweise der Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten. Dafür gibt es natürlich gut nachvollziehbare Gründe. In diesem Kontext ist etwa auf die jüngst gemeldeten Zahlen zu den Einzelhandelsumsätzen zu verweisen. Diese Zeitreihe konnte zum Start des Jahres 2017 unerwartet deutlich zulegen. Es ist allerdings festzuhalten, dass die internationalen Aktienmärkte die Wachstumsaussichten in den USA bereits zu optimistisch beurteilen könnten. Beispielsweise fällt es schwer, für die Jahre 2017 und 2018 die Prognose eines US-Wirtschaftswachstums von mehr als 3% zu begründen. Eine solche Entwicklung scheinen die Börsen nicht nur in Nordamerika mittlerweile aber immer stärker einzupreisen. Diese ambitionierte Erwartungshaltung kann unserer Auffassung nach perspektivisch zu Gefahren führen. Die Trump-Rallye wird folglich zum Risiko. Zudem scheinen auch andere Risiken von den internationalen Aktienmärkten weitgehend ausgeblendet zu werden. So ist davon auszugehen, dass die neue Regierung in Washington eindeutig hawkishere Zentralbanker an die Spitze der Fed setzen wird. Eine etwas schnellere Normalisierung der Geldpolitik in den USA könnte dann auf die Kurse der Dividendenpapiere drücken. Dabei ist festzuhalten, dass vor allem US-Aktien nicht mehr zu Schnäppchenpreisen zu erhalten sind. Die Gefahren am Aktienmarkt überwiegen somit unserer Auffassung nach zunehmend die Chancen.

Die asiatischen Aktienmärkte fokussieren am aktuellen Rand vor allem auf die Entwicklungen in den Vereinigten Staaten.

Die Renditen deutscher Staatsanleihen gingen in der vergangenen Woche deutlich zurück. 10J Bundesanleihen rentieren nur noch bei rund 0,2%. Dagegen stieg die Rendite der spanischen Pendants um rund 9bp auf fast 1,7 %. Allein im Februar weitete sich der Spread um rund 20bp aus, der aktuelle Stand markiert den höchsten Wert seit Juli 2016. Eine noch stärkere Bewegung verzeichnet der Spread französischer Anleihen zu ihren deutschen Benchmarks, der sich auf dem höchsten Niveau seit März 2013 befindet. Die Begründung hierfür, wie auch die Tendenz von insgesamt festen Notierungen von Staatsanleihen in den letzten Tagen, ist sicherlich eine gesunkene Risikoaffinität der Investoren. Bestimmte Faktoren, insbesondere politischer Natur, halten Einzug in das Bewusstsein der Marktteilnehmer, so dass Bunds wieder als sicherer Hafen fungieren. Eine Wahl Le Pen’s zur französischen Präsidentin wird nicht mehr ausgeschlossen, so dass begonnen wird, mögliche Folgen dieser Wahl einzupreisen, was zu der kürzlich negativen Spread- und Renditeentwicklung französischer Papiere führte.

Marktkommentar Januar 2017

Nachdem die Euphorie, die die Aktienmärkte nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten beflügelt hatte, vorübergehend abzuflauen schien, kam in der ersten Amtswoche Trumps wieder neuer Schwung auf. Die Indizes verließen ihre zuvor etablierten Seitwärtstrendkanäle nach oben. Dabei stieg der DAX auf den höchsten Stand seit Mai 2015 und näherte sich mit 11.893 Punkten der psychologisch wichtigen Marke von 12.000 bis auf wenige Zähler.

Schwächere Wirtschaftsdaten wie beispielsweise den überraschenden Rückgang des ifo-Geschäftsklimaindex ignorierten die Marktteilnehmer ebenso wie die Entscheidung des obersten Gerichts in Großbritannien, nach der ein Austritt aus der EU nicht ohne Zustimmung des Parlaments erfolgen darf, was die Brexit-Verhandlungen der Briten erschweren kann. Noch überwiegt die Hoffnung, dass der neue US-Präsident mit seinen unorthodoxen Ideen und Maßnahmen der Konjunktur spürbaren Aufwind bescheren kann. Politischer Gegenwind und negative Folge- und Nebenwirkungen werden derzeit (noch) ausgeblendet. Unter diesen Umständen kann sich der momentumsgetriebene Aufwärtstrend an den Börsen durchaus noch fortsetzen. Berechtigte Zweifel bestehen jedoch, ob dies dauerhaft möglich ist. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich die Vorhaben Trumps nicht problemlos umsetzen lassen, und dass sich neben positiven Anfangs-erfolgen später auch unerwünschte und nachteilige Auswirkungen der neuen Politik zeigen werden, woraus dann erhebliches Rückschlagspotential für die Börsenkurse resultieren dürfte. Interessant wird in diesem Zusammenhang zu beobachten sein, wie sich die US-Notenbank Fed auf Trump einstellt. Gelegenheit zur Erläuterung ihrer Geldpolitik hat Fed-Chefin Yellen am Mittwoch im Anschluss an die Zinssitzung der amerikanischen Währungshüter, die deshalb in der laufenden Woche besonders im Fokus der Anleger steht. Daneben wird die hierzulande Fahrt aufnehmende Berichtssaison die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich ziehen. Mit Blick auf die zahlreichen Unsicherheitsfaktoren sowohl auf politischem als auch auf wirtschaftlichem Gebiet ist aber allenfalls mit verhalten optimistischen Ausblicken der Unternehmensführer zu rechnen, so dass sich die Auswirkungen auf die Aktienkurse der berichtenden Unternehmen in Grenzen halten sollten.

Hoffnungen auf Deregulierungsmaßnahmen und Steuersenkungen in den USA hatten Ende Januar stützend gewirkt. Verunsicherungen bezüglich der Handelspolitik der neuen US-Regierung unter Donald Trump traten zunächst in den Hintergrund. Damit war der Handel an den internationalen Aktienmärkten durch einen großen Optimismus geprägt. Probleme wurden weitgehend ausgeklammert. Zu nennen wären in diesem Kontext beispielsweise ein möglicher Handelskrieg der USA mit China und eine vielleicht schon zu ambitionierte Erwartungshaltung der Marktteil-
nehmer beim Blick auf das reale Wachstum der US-Wirtschaft. Diese Sorgen rücken nun wieder stärker in den Fokus, was auf die Kurse drückt. Unserer Auffassung nach sollte der Aktienmarkt nicht darauf setzen, dass die neue Wirtschaftspolitik in Washington das Wachstum in den USA schon im laufenden Jahr nachhaltig erhöhen wird. Da Risiken momentan von den Marktteilnehmern in zu starkem Ausmaß ausgeblendet werden, drohen wohl schon gewisse Rückschläge. Vor allem US-Aktien sind derzeit zudem nicht mehr günstig bewertet. Folglich könnte man weiterhin über Gewinnmitnahmen nachdenken. Bei den Dividendenpapieren ist jedoch generell gesprochen wohl noch keine Spekulationsblase zu beobachten; angesichts des vor allem in Euroland weiterhin niedrigen Zinsniveaus sollten Rückschläge daher also zum Wiedereinstieg in die Asset-Klasse Aktien genutzt werden.

Nachdem das Jahr 2016 an den Rentenmärkten eindeutig unmittelbar von der Notenbankpolitik dominiert worden ist - natürlich ohne dass dabei die politischen Entwicklungen tatsächlich aus dem Fokus oder gar in Vergessenheit geraten wären - scheint sich schon früh im Jahr herauszukristallisieren, dass die Politik einen wieder zunehmend stärkeren Einfluss auf das Sentiment der Marktteilnehmer haben wird. Mit den steigenden Risiken, die in Verbindung mit den kommenden Wahlen in Frankreich gesehen werden, hat sich der Renditeunterschied zwischen deutschen und französischen Staatsanleihen zehnjähriger Laufzeit mit mehr als 0,7% kürzlich schnell in Richtung des weitesten Unterschiedes seit Ende Januar 2014 entwickelt. Die Differenz hat sich in diesem Jahr bereits um 0,23% vergrößert. Deutsche Zehnjährige lagen im Durchschnitt der vergangenen Woche bei 0,44%. Auch die Renditeunterschiede zwischen Deutschland und seinen anderen „Nachbarn“ in Euroland haben sich weiter ausgeweitet. So liegt die Differenz zu Italien mit über 1,9% auf dem höchsten Level seit Ende Februar 2014.

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat in ihrem Statement von vergangener Woche nicht nur noch keine vorläufige Bewertung der neuen Politik vorgenommen, sie hat sie nicht einmal erwähnt. Der Markt erwartet aber – trotz enttäuschender Lohnentwicklung – eine steigende Inflation, die über der Zielmarke von zwei Prozent liegen könnte. Daraus lässt sich ein zunehmender Druck auf die Fed ableiten, die dem mit Leitzinsanhebungen in entsprechendem Ausmaße (Anzahl, bzw. Frequenz und Umfang) würde begegnen müssen. Dies wiederum könnte die Kurse der US-Papiere belasten. Seit der US-Wahl haben sich die Renditen der US-Treasuries und der Kurs des US-Dollar in einem hohen Gleichlauf entwickelt, was jedoch historisch recht selten vorkommt. So kam es in den vergangenen zwei Wochen über einen sinkenden Dollar gegenüber anderen Welt-Währungen zu einer Normalisierung.

Marktkommentar Dezember 2016

2016: Ein gutes Jahr für Anleger

Nach anfänglich starken Turbulenzen beruhigte sich das Jahr 2016 und sorgte am Ende sogar für freudige Stimmung bei Anlegern. Der DAX legte um über 6% zu. In den USA zeigt die Börse Dank Leitzinserhöhung und Trump mit einem zweistelligen Plus ein noch besseres Bild.

 

 

USA: Erwartete Zinserhöhung

Mitte Dezember blickte die gesamte Finanzwelt mit Spannung Richtung USA: Fed-Chefin Janett Yellen verkündete eine Zinserhöhung. Dieser Schritt kam nicht überraschend. Im Allgemeinen hatten ihn die Märkte bereits erwartet und eingepreist. Interessant war eher die Begründung, denn die Fed offenbart ihre positive Einschätzung der gesamten wirtschaftlichen Lage. Entsprechend legten die Aktienkurse deutlich zu. Aber auch die US-Währung verteuerte sich und lag zeitweise auf dem höchsten Stand seit 14 Jahren. Yellen bekräftigte auch, dass sie im kommenden Jahr die Zinspolitik fortführen wird. Bis zu drei Zinsschritte seien möglich.

Im Gegensatz  dazu wiederholte EZB-Chef Mario Draghi, seine lockere Geldpolitik fortführen zu wollen. Die Zinsen im Euro-Raum bleiben bis auf weiteres bei null Prozent und Banken müssen für das Bunkern von Geld bei der EZB Strafzinsen zahlen.

Die wichtigsten Märkte im Überblick:

Trump Wahl beflügelt die Aktien

Seit der Wahl von Donald Trump zum neuen Präsidenten sind die amerikanischen Börsen im Aufwind. So ist  der Dow Jones nur noch wenige Punkte von der magischen Grenze von 20.000 entfernt. Ob Trump die milliardenschweren Investitionsprogramme tatsächlich wie geplant in die Tat umsetzen wird, bleibt abzuwarten, die Wahrscheinlichkeit hierfür ist aber hoch. Tatsächlich spielen diese Aspekte in den Überlegungen der Fed bereits jetzt eine Rolle.

Deutschland: DAX positiv

+6,5%: Das ist die Rendite die der Deutsche Leitindex in diesem Jahr erzielt hat. Für Anleger ist das besonders erfreulich, begann das Jahr 2016 doch mit starken Verlusten, die zeitweise bei knapp 20 % lagen. Das vierte Quartal war hierbei besonders erfreulich. Allein im November und Dezember konnte der DAX um über 8% zulegen. Gründe für die gute Jahresendrallye gibt es einige. Einer von ihnen liegt in den guten Unternehmenszahlen, die für Q3 veröffentlicht wurden.

Wie gut die Wirtschaftslage eingeschätzt wird, zeigt mal wieder der ifo-Geschäftsklimaindex. Er stieg im Dezember auf 111 Punkte und somit auf den höchsten Stand seit Februar 2012.

 

Erdölpreis steigt erneut

Auch im vierten Quartal setzte sich der Aufschwung des Rohöls fort. Grund dafür ist die Einigung der OPEC, die viele Experten nicht für möglich gehalten haben. Im Gegensatz zu vorherigen Einigungsversuchen haben dieses Mal auch Länder zugestimmt, die der OPEC nicht angehören. Russland z.B. hat sich bereit erklärt, seine Förderung im Jahr 2017 um bis zu 300.000 Barrel pro Tag zu kappen.

Ein Blick auf die Preisentwicklung zeigt, dass der Aufwärtstrend nicht nur im vierten Quartal (+16%) andauerte. Auch das Gesamtjahr war mit einem Plus von rund 33% sehr überzeugend. Damit gehört Erdöl aus Anlegersicht zu den erfolgreichsten Anlageklassen in 2016.

 

Anleihen unter Druck

Anleihen standen im dritten Quartal unter Druck. Insbesondere die (erwartete) Zinserhöhung durch die Fed sorgte für höhere Rendite. Der Renditeanstieg war faktisch weltweit zu beobachten. In den USA beispielsweise stiegen die Renditen der zahnjährigen Treasuries auf über 2,5% an und erreichten so Höchststände seit 2014. Auch in Deutschland stiegen die Renditen im Vergleich zum Vorquartal an.

Graphik: Euribor und Umlaufenditen Deutschland

 

Ein weiterer Grund liegt in der vom Markt sogenannten „Reflationierung“. Durch die von der OPEC beschlossene Förderbegrenzung, an der sich auch Nicht-OPEC-Mitglieder halten wollen, kann es zu einer höheren Inflation kommen. So sieht etwa die EZB das Inflationsziel immerhin bei 1%.  Investoren verlangen bei Anleihen daher nun einen höheren Inflationszuschlag. Bei Schwellenländern wirken sich Zinserhöhungen seitens der Fed stärker aus. Mittelfristig ist hier aber mit wenig Turbulenzen zu rechnen. Andere Faktoren spielen eine wichtigere Rolle.

 

FAZIT

Wahlen in den USA, Referendum in Italien, Zinserhöhung in den USA, Brexit (oder was davon übrig bleibt) – das sind nur einige Beispiele die zeigen, wie turbulent das Jahr 2016 war. Wer allerdings Durchhaltevermögen zeigte und insbesondere zu Beginn des Jahres Nerven behielt, wurde durch die insgesamt positive Entwicklung an den Märkten belohnt.

Und das Jahr hat mehr als nur ein Happy End: Viel wichtiger als die insgesamt positiven Zahlen ist die Erkenntnis, dass sich Märkte von politischen Ereignissen nicht beeinflussen lassen. Die Finanzwelt dreht sich weiter und das ist gut so. Denn damit zeigt sie, dass sie sich auf das Wesentliche konzentriert – gute Voraussetzungen für das Jahr 2017.

 

Marktkommentar November 2016

Bei deutlich rückläufigen Umsätzen hat sich an der seit August beim DAX und schon seit März beim Euro- Stoxx50 anhaltenden Seitwärtstendenz nichts geändert. Auf die überraschende Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten reagierten die europäischen Börsen nach einer kurzen Schrecksekunde – nicht minder überraschend – mit deutlichen Kursgewinnen. Der DAX näherte sich mit knapp 10.800 Punkten seinem Jahreshoch bis auf wenige Zähler an, und der EuroStoxx50 kletterte zwischenzeitlich auf über 3.100 Punkte. Diese Entwicklung spiegelte vor allem die Erleichterung darüber wider, dass sich der künftige US-Präsident in seinen ersten Reden nach dem Wahlsieg erheblich gemäßigter als noch im Wahlkampf zu verschiedenen Themen äußerte. Vor allem aber hoffen die Aktienmärkte auf ein umfangreiches Maßnahmenprogramm Trumps zur Verbesserung der Infrastruktur, das der Konjunktur einen kräftigen Impuls geben und auch den europäischen Wirtschaften helfen könnte.

Die Euphorie, die auch die europäischen Börsen nach der Wahl von Donald Trump zum künftigen US-Präsidenten erfasst hatte, hat zuletzt aber spürbar nachgelassen. Weder die neuen historischen Indexrekorde, die die US-Börsen aufstellten, noch der weiter gegenüber dem US-Dollar zur Schwäche neigende und zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit 20 Monaten gefallene Euro-Kurs vermochten den Börsen nennenswerte Impulse zu geben. Vielmehr gehen offenbar immer mehr Anleger vor dem Verfassungsreferendum am kommenden Sonntag in Italien und den beiden wichtigen Notenbank-Sitzungen der EZB und der Fed im Dezember in Deckung. Der an den US-Börsen für Jubelstimmung sorgende Wahlsieg von Donald Trump wird zudem hierzulande erheblich kritischer gesehen. Dies drückt sich auch in den jüngsten vom ifo-Institut veröffentlichten Daten zur Stimmung der deutschen Unternehmen aus. Der Geschäftsklimaindex blieb im November zwar stabil. Darin spiegelt sich aber lediglich eine bessere Beurteilung der aktuellen Lage wider, während sich die Geschäftserwartungen eingetrübt haben.

Nachdem die Berichterstattung der Unternehmen über das dritte Quartal nahezu abgeschlossen ist, ergibt sich insgesamt ein recht positives Bild der Gewinnentwicklung. Gemessen an den üblichen Bewertungskriterien haben die Aktienkurse durchaus Spielraum nach oben. Bevor sich der Nebel über den zahlreichen anstehenden politischen und geldpolitischen Entscheidungen nicht zumindest ein wenig gelichtet hat, werden die Börsen aber voraussichtlich weiter in ihren Seitwärtstrends verharren.

Das generelle politische Umfeld bleibt im Blickfeld der internationalen Aktienmärkte. Neben den Personalentscheidungen Donald Trumps müssen die Abstimmungen in Italien und Österreich im Auge behalten werden. Daneben rücken in dieser Woche natürlich auch US-Konjunkturdaten wieder stärker in den Fokus der Aktienmärkte. Von Bedeutung sind zunächst die Entwicklungen beim ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe. Dieser vielleicht wichtigste Stimmungsindikator für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten sollte sich am aktuellen Rand wohl weiterhin oberhalb der magischen Marke von 50 Zählern halten. Damit bliebe der verarbeitende Sektor in den USA auf Wachstumskurs. Am Freitag muss dann von den internationalen Aktienmärkten noch auf die Zahlen zur Lage am US-Arbeitsmarkt geblickt werden. Diese haben natürlich eine hohe Relevanz für die weitere US-Geldpolitik.

Ist das eigentlich eine verkehrte Welt, in der die Aussicht auf eine steigende Inflation aufgrund eines in Aussicht gestellten Deficit Spendings die Herzen höher schlagen lässt? In der auf der anderen Seite davor gewarnt wird, dass eine Wirtschaft nahe der Vollbeschäftigungsgrenze operiert - weil dies wiederum einen zu starken Lohnanstieg befördern könnte, der dann seinerseits den gewünschten Aufwärtsdruck in Richtung Preissteigerung(srate) zu stark werden lassen würde. In jedem Falle wecken solche Szenarien aber vieler Orten zumeist Euphorie, weil es endlich zu der lange schon erwarteten Zinserhöhung führen könnte. All dies spielt sich jedoch in der anderen - der neuen Welt ab. Allerdings nicht ohne relative Auswirkungen auf Euroland, in dem die Zeichen noch auf nachhaltige Niedrigzinsen stehen, wenn auch weniger klar. Es bleibt aber abzuwarten, wie lange sich die Europäische Zentralbank von der Ausstrahlung einer Zinserhöhung in den USA unbeeindruckt zeigen kann und will. Kommentare aus der zweiten Reihe der europäischen Zentralbanker lassen inzwischen durchaus an ein vorgezogenes Tapering, eine langsame, kontrollierte Reduzierung der Anleihenkäufe glauben. Zunächst aber dominiert hier sicher noch eine zwar steigende, aber aktuell noch zu niedrige Inflationserwartung.

Beim Blick über den Teich ist festzustellen, dass in der vergangenen Woche der sogenannte „Trump Trade“ favorisiert wurde. Dieser basiert auf dem Kauf von Aktien und dem Verkauf von Bonds. Bei vielen Investoren scheint die Einschätzung verbreitet, dass die Zeiten seit fast drei Dekaden fallender Renditen zu Ende gehen. Die Rendite der zehnjährigen US Treasury Note, der US-amerikanischen Benchmark-Anleihe, lag zum Wochenende auf dem höchsten Tagesschlussniveau seit genau 18 Monaten. Ob einer sicher scheinenden Zinserhöhung im Dezember in 2017 allerdings zwangsläufig weitere folgen werden, ist schon weniger ausgemacht. Insofern bleibt der Druck auf die EZB womöglich überschaubar.

Den Kursen zehnjähriger Bunds schadete all dies in der vergangenen Woche aber nicht. Seitdem die EZB mit der quantitativen Lockerung begonnen hat, um die Inflationserwartungen und letztlich die Teuerung selbst wieder in die Nähe von 2% zu bringen, haben sich die Renditen für Anleihen in der Breite und Tiefe deutlich verringert. Sie liegen seit einiger Zeit nicht nur bei Staatsanleihen je nach Land und/oder Rating teilweise deutlich im negativen Bereich. Dies gilt aber ähnlich für manche Unternehmensanleihe, die unterhalb von Null rentiert. Bundesanleihen weisen bis zu einer Laufzeit von acht Jahren seit Mitte des Monats bereits wieder negative Renditen auf. Zehnjährige Bunds lagen im Wochendurchschnitt bei 0,251% und halten sich bis heute noch über der Grenze von 0,2%. In der Peripherie Europas fiel Italien mit 2,131% mit der höchsten Rendite seit Anfang Juli 2015 auf.

 

Marktkommentar August 2016

Die wichtigsten europäischen Aktienmärkte konnten im Berichtszeitraum leichte Gewinne verbuchen. Dabei blieben aber die Umsätze gering, einerseits urlaubsbedingt, andererseits, weil sich viele Anleger im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Rede von US-Notenbankchefin Yellen beim Notenbanker-Treffen im amerikanischen Jackson Hole mit Aktivitäten zurückhielten. Wie erwartet, herrscht nach dieser Sitzung nur bedingt mehr Klarheit über die zukünftige Zinspolitik in den USA. Dennoch haben US-Aktienmärkte neue Höchststände markiert – Rekordjagd im Land der unbegrenzten Möglichkeiten also. Die Gründe dafür sind: Die Wirtschaft in den USA scheint besser zu laufen als im Rest der Welt. Der private Konsum – wichtiger Wirtschaftstreiber in den USA – präsentiert sich robust. Auch der Arbeitsmarkt ist in guter Verfassung. Doch tun sich in den USA wirklich unbegrenzte Möglichkeiten auf oder ist die Decke jetzt erreicht? Das kann natürlich niemand genau sagen. Aber: Die große Befürchtung, die noch im Frühsommer im Raum stand, dass also die Fed die Leitzinsen rasch erhöhen und so das Aktienklima merklich eintrüben könnte, ist zuletzt etwas verblasst. Zwar ist bei der bewusst vielschichtigen Kommunikation der Fed-Mitglieder nicht ausgeschlossen, dass im September noch ein Zinsschritt kommt. Aber die Fed scheint das von sehr hohen Hürden abhängig zu machen. Sie will wohl erst auf ein wirkliches Anziehen der Inflation reagieren, also dann, wenn es noch mehr untrügliche Zeichen einer Wirtschaftserholung gibt – ein sehr vorsichtiges Vorgehen. Das heißt, dass der „Dämpfer“ höherer Zinsen erst kommen dürfte, wenn die Unternehmensgewinne in den USA schon deutlich nachgelegt haben und dann womöglich höhere Kurse rechtfertigen. Diese Mischung aus Konjunkturoptimismus und nur latent vorhandener Zinserhöhungsfantasie wird am Aktienmarkt gern gesehen.

Nach den Worten Yellens haben sich die Argumente für eine Zinsanhebung verstärkt. Der Zeitpunkt für einen möglichen Zinsschritt nach oben ist aber weiter völlig offen. Somit werden die Marktteilnehmer weiter die in den kommenden Wochen zur Veröffentlichung anstehenden Wirtschaftsdaten fieberhaft nach Anhaltspunkten für geldpolitische Maßnahmen abklopfen. Gelegenheit dazu bieten beispielsweise die Arbeitsmarktdaten Anfang September. Der Konjunkturoptimismus in Deutschland erhielt mit enttäuschend ausgefallenen Daten des ifo-Instituts zum Geschäftsklima einen empfindlichen Dämpfer. Der unerwartet deutlich rückläufige Geschäftsklima-index für August führte erstmals wieder die Gefahren des Brexit-Votums vor Augen, nachdem zuvor andere Frühindikatoren eher Gelassenheit bei den Umfrageteilnehmern signalisierten. Der Nachrichtenfluss aus dem Unternehmenslager ist – von Nachzüglern der Berichtssaison abgesehen – derzeit recht dünn, und von dieser Seite gehen daher keine größeren Impulse für den Gesamtmarkt aus. So bleiben in der näheren Zukunft die Zinsspekulationen und damit die Wirtschaftsmeldungen sowie die weiter bestehenden geopolitischen Risiken die wesentlichen Treiber für die Börsenkurse. Wir gehen von einer Fortsetzung der leicht positiven Tendenz in diesem Umfeld aus.

Der Aktienmarkt dürfte sich mittlerweile an den Gedanken einer Anpassung der Fed Funds Target Rate im Dezember gewöhnt haben. Ein entsprechendes Handeln der Zentralbank würde von den Börsen wohl sogar eher als Signal für eine gut laufende Wirtschaft der USA gewertet werden und muss daher nicht zu einem Belastungsfaktor für die Kurse der Dividendenpapiere werden. Die US-Geldpolitik bleibt damit aber sicherlich auch weiterhin im Fokus der Anleger. In der neuen Handelswoche werden in diesem Kontext vor allem Konjunkturdaten aus den USA ins Blickfeld der Investoren rücken. Angesichts der Ziele der Fed ist die Entwicklung der Beschäftigungssituation eindeutig von besonderer Bedeutung für die Aktienmärkte.

Die Börse in Shanghai markierte im August ein Siebenmonatshoch. Dabei haben die meisten Zentralbanken im asiatischen Raum noch genügend Luft für neue expansive Zinsschritte. Eine lockerere Geldpolitik könnte hier den Dividendenpapieren durchaus eine gewisse Unterstützung liefern. Der japanische Markt spielt nach wie vor eine Sonderrolle, da geldpolitische Maßnahmen zur Belebung der Konjunktur schon länger im Sande verlaufen.

Sowohl in der größten Volkswirtschaft der Welt, als auch in Deutschland, handeln zehnjährige Renditen seit über einem Monat nicht mehr wesentlich außerhalb eines Prozentbandes von 1,5% bis 1,6% (USA) bzw. minus 0,1% bis 0,0% (Deutschland). Renditen auf der linken Seite des Atlantiks haben im Wochenrückblick leicht angezogen und notieren zum Wochenschluss bei 1,63% (Wochenstart: 1,54%). In der größten Volkswirtschaft Europas (Deutschland) sind die Renditen im Gegensatz dazu leicht gesunken. Durch das Sommerloch ist - wie in den Wochen zuvor - die Situation am Markt für Staatsanleihen durch Ruhe und Abwarten geprägt. Anleger warten darauf, dass die weitere Richtung durch die Zentralbanken vorgegeben wird.

Marktkommentar Juli 2016

Die europäischen Aktienmärkte konnten sich im letzten Monat deutlich erholen. Der DAX übertraf erstmals seit dem Brexit-Entscheid der Briten wieder die Marke von 10.000 Punkten, der Euro-Stoxx50 bewegte sich in Richtung der ebenfalls der ebenfalls psychologisch wichtigen Schwelle von 3.000 Punkten. Die Märkte scheinen die wirtschaftlichen Folgen des Brexit inzwischen gelassener zu sehen als in der ersten, doch sehr vom Überraschungsmoment geprägten Situation. Allerdings ließen die Umsätze in der letzten Woche spürbar nach, was aber teilweise auf die Urlaubszeit zurückzuführen war. Von der mit Spannung erwarteten zinspolitischen Sitzung der EZB gingen keine Impulse aus. Ähnlich wie die britische Notenbank zuvor warten die Währungshüter in Frankfurt zunächst nach dem Brexit-Votum ab. Sie signalisierten aber für September weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen. Das Augenmerk der Börsianer richtet sich nun auf die US-Notenbank, deren Zinsentscheidung für Mittwoch ansteht. Mit einigen guten Zwischenberichten hat inzwischen hierzulande die Berichtssaison Fahrt aufgenommen. In den kommenden Wochen werden die Anleger Gelegenheit haben, eine Vielzahl von Unternehmensmeldungen zu analysieren und einzuordnen. Zwar dürfte sich die Gewinnentwicklung als wenig dynamisch erweisen, aber angesichts der im Vorfeld heruntergeschraubten Erwartungen hat sich Spielraum für positive Überraschungen ergeben. Von konjunktureller Seite ist derzeit mit wenig Rückenwind zu rechnen. Gerade hat der IWF seine Wachstumsschätzungen reduziert, und auch die Stimmungsindikatoren (zuletzt die ZEW Konjunkturerwartungen) zeigen als Folge der Unsicherheit nach dem Brexit-Votum abwärts. Ohne neue Impulse ist davon auszugehen, dass der laufende Börsenaufschwung allmählich an Schwung verliert und die Neigung vieler Investoren, Gewinne zu realisieren, zunimmt. Die Wahrscheinlichkeit für Korrekturen erhöht sich somit. Spekulationen auf geldpolitische Lockerungen durch die EZB im September sollten den Markt stützen, jedoch hat sich zuletzt gezeigt, dass die Maßnahmen der Notenbank immer weniger geeignet sind, die Börsen noch zu beeindrucken.

Der US-Aktienmarkt bleibt auf Rekordjagd. Die Hoffnung auf eine positive Entwicklung der Konjunktur der USA hilft den Kursen nicht nur in den Vereinigten Staaten. Insofern wird am aktuellen Rand auf die vorläufigen US-BIP-Zahlen für das II. Quartal zu blicken sein, die am Freitag veröffentlicht werden. Diese sollten die Einschätzung einer signifikanten Belebung der Wirtschaft der USA stützen. In diesem Umfeld rückt die Geldpolitik der Fed stärker in den Fokus. Am Mittwoch ist zwar nicht mit konkreten Handlungen des FOMC zu rechnen, allerdings mag es Signale geben, die für eine etwas zügigere Straffung der US-Geldpolitik sprechen könnten. Insbesondere abweichende Meinungen (also Stimmen für einen Zinsschritt nach oben) könnten in den Fokus der Börsen rücken. Ohne nachhaltige Belastungen der US-Wirtschaft durch den Brexit mögen sogar Spekulationen bezüglich einer bereits im Dezember 2016 anstehenden Fed-Leitzinsanhebung aufkommen. Sollte dieses Szenario eintreten, würde sich das Jahr 2015 mit Blick auf die US-Geldpolitik wiederholen. Für die internationalen Aktienmärkte müsste dieses monetäre Umfeld nicht zwangsläufig zum Problem werden; zwar stützen die Notenbanken die Kurse an den Börsen, den Marktteilnehmern ist aber absolut klar, dass die Fed nur dann handeln wollen wird, wenn die US-Wirtschaft eine Leitzinsanhebung auch wirklich zulässt. Insofern wäre ein Zinsschritt der Zentralbank in Washington ein Signal in Richtung einer erfreulichen Entwicklung der Konjunktur in den USA – und damit kein unbedingter Belastungsfaktor für die Börsen!

Auch an den asiatischen Aktienmärkten ist die Entwicklung der US-Volkswirtschaft von herausragender Bedeutung. Neben der Fed gibt außerdem die Bank of Japan die Richtung vor. Wir rechnen mit einer Ausweitung des Geldmengenziels und einer Reduzierung des Leitzinses auf -0,4%.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer ersten turnusmäßigen Sitzung seit dem Brexit-Votum wie erwartet mit ruhiger Hand reagiert. Sowohl die Leitzinsen als auch die Höhe des monatlichen Ankaufvolumens der Wertpapierankaufprogramme blieben unverändert. Dies war einhellig erwartet worden, weshalb sich die Marktreaktionen bisher in Grenzen hielten. Vor dem Hintergrund der Diskussion über italienische Banken ist bemerkenswert, dass der Italiener Draghi eine öffentliche Unterstützung beim Abbau der leistungsgestörten Kredite (Non-Performing Loans) als „sehr nützlich“ bezeichnete. 10-jährige Bundesanleihen sahen im Juli ein neues historisches Tief von -0,205%. Aktuell rentieren sich diese bei -0,03%. Mehr als die Hälfte der Renditen von europäischen Sttaatsanleihen befinden sich im negativen Terrain.

Marktkommentar Juni 2016

Am vergangenen Donnerstag war es nun soweit: In Großbritannien war die Bevölkerung dazu aufgerufen, über den Verbleib in der Europäischen Union abzustimmen. Während die Umfragen auf ein Kopf-an-Kopf Rennen hingedeutet hatten, zeigten die aufgrund der Treffgenauigkeit bei den letzten Wahlen viel beachteten Wettquoten ein eindeutiges Bild für das „Bremain“-Lager (Verbleib in der EU). Die Märkte schwelgten kurz vor dem Urnengang in Optimismus, was den deutschen Aktienindex Dax deutlich über die runde 10.000-Punkte-Marke hievte. Doch der Schein war trügerisch. Die Mehrheit der Briten wählte die Ausfahrt „Abkehr von Europa“. Bei einer hohen Wahlbeteiligung von 72 % stimmten 51,9% für einen Austritt aus der EU.

Viele Marktteilnehmer wurden auf dem falschen Fuß erwischt, was zu markanten Kursausschlägen an den Kapitalmärkten geführt hat. Am frühen Freitagmorgen ging der japanische Nikkei mit einem Abschlag von 8 % aus dem Handel. Zum Börsenstart in Europa brachen die Aktienindizes zunächst um mehr als 10 % ein, konnten sich im Verlauf aber etwas erholen. Der Dax verbuchte ein Tagesminus von 6,8 %, der EuroStoxx50 verlor aufgrund des höher gewichteten Finanzsektors 8,6 %. Das höchste Tagesminus seit Berechnung des Index! Auch der US-amerikanische Dow Jones ging um beachtliche 3,4 % nach unten. Gewinner waren hingegen rar gesät. Hierzu zählten die sicheren Häfen Gold (+5%) sowie deutsche und US-Staatsanleihen. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren nun wieder im negativen Terrain. Für Unternehmensanleihen guter bis schlechterer Bonität sowie Papieren aus der Euro-Peripherie kam es allerdings zu Kursverlusten, da sich die Risikoaufschläge deutlich erhöht haben. Schwächer notierte auch der Euro, der von USD 1,14 auf USD 1,10 für einen Euro abgewertet hat.

Der Austritt eines Mitgliedslandes aus der EU ist historisch neu. Neben den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen, die ein EU-Austritt sowohl für die Briten als auch für die EU haben wird, ist es vor allem die damit zusammen-hängende Unsicherheit, die derzeit die Börsen belastet. Das Referendum hat zahlreiche Fragen aufgeworfen. Insbesondere sind der Zeitplan und der Ablauf des Ausscheidens Großbritanniens unklar. Es droht bei einem Ausscheren Schottlands sogar ein Auseinanderbrechen des Vereinigten Königreichs. Für Kontinentaleuropa noch viel bedeutender ist der bröckelnde Zusammenhalt innerhalb der EU. Die EU wird in vielen Mitgliedsländern von signifikanten Bevölkerungsteilen skeptisch gesehen. So wird teilweise befürchtet, der Brexit könnte weiterer Länder zum Austritt motivieren. Gleich-wohl ist nicht recht erkennbar, welches Land die eigene Stärke und den Willen hat, um sich von den unmittelbaren Vorzügen (Binnenmarkt, Fördergelder) abzuschneiden. Gegebenenfalls mobilisiert der Brexit aber auch Reformkräfte innerhalb der EU, um die Probleme (u. a. Schuldenstände, Außen- und Sicherheitspolitik, Flüchtlinge) aktiver zu lösen.

Im Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU wird zunächst einmal entscheidend sein, ob eine Verständigung auf ein Regelwerk ähnlich derer mit Norwegen oder der Schweiz gelingt. In diesem Fall wäre der grenzüberschreitende Handel mit Gütern nicht durch Zölle beeinträchtigt, sehr wohl aber der Austausch von Dienstleistungen, darunter auch die für Großbritannien bedeutsamen Finanzdienstleistungen. Für das kurz, aber wohl auch mittelfristige Wachstumspotenzial im Vereinigten Königreich wäre das ein empfindlicher Dämpfer. Die britische Wirtschaft wird zudem unter nachlassenden ausländischen Investitionen und dem Wegfall des flexiblen Arbeitsmarktes leiden. In 2017 dürfte Großbritannien in eine moderate Rezession hineinschlittern. Aufgrund der hohen Handelsverflechtungen strahlt dies auch auf Gesamteuropa aus.

Wenig hilfreich war dabei, dass es offenbar nach den jüngsten Parlamentswahlen in Spanien erneut keine klaren Mehrheitsverhältnisse gibt und sich nun eine Fortsetzung der bereits seit einem halben Jahr andauernden Hängepartie bei der Regierungsbildung abzeichnet. Während aktuell eindeutig politische Themen an den Börsen dominieren, werden Wirtschaftsnachrichten in den Hintergrund gedrängt. Die ZEW-Umfrage und der ifo-Geschäftsklimaindex für Juni fielen besser als erwartet aus, wurden aber vor dem BREXIT-Entscheid erhoben und besitzen daher nur begrenzte Aussagekraft. Bis sich die wirtschaftlichen Folgen des BREXIT zeigen, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Den Börsen steht eine Phase der Unsicherheit mit erheblichen Kursschwankungen und der Möglichkeit weiterer Indexrückgänge bevor. Nicht zu vergessen sind allerdings die internationalen Notenbanken. Die Bank of England und die EZB stehen Gewehr bei Fuß. Auch die „weit entfernte“ US-Notenbank dürfte den BREXIT-Entscheid zum Anlass nehmen, ihre eigentlich für 2016 geplanten Zinserhöhungen weiter nach hinten zu verschieben. Politischen Börsen werden eigentlich „kurze Beine“ nachgesagt. Dies ist aktuell aufgrund der möglichen Tragweite der britischen Abkehr von Europa nicht sicher. Es ist nicht absehbar, ob dies der Anfang eines Auseinanderdriftens Europas ist, oder ob der „Schuss vor den Bug“ genutzt wird, das europäische Projekt zu verbessern. Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft beiderseits des Ärmelkanals werden sich jetzt zusammenreißen müssen. Denn die vom BREXIT ausgehenden Risiken können immens sein. Für die Assetklasse Aktien sprechen perspektivisch die fehlenden Anlagealternativen in einem andauernden Niedrigrenditeumfeld, moderate Bewertungen und die Unterstützung der Notenbanken.

Eine Abkehr vom Niedrigrenditeumfeld ist nicht in Sicht, zudem die Notenbanken ihre geldpolitischen Stützungsmaßnahmen eher nochmals ausdehnen werden. Unseres Erachtens nimmt die US-Notenbank von einer Zinsanhebung in 2016 vermutlich ganz Abstand. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen liegt aktuell
bei -0,13 %.